Mein persönlicher Glücksweg

Ich kenne nur zu gut, wie leicht man unbewusst in das Hamsterrad unserer westlichen Welt kommen kann und wie schwierig es ist, sich darin zu erkennen, geschweige denn, sich daraus zu befreien. 

Über 30 Jahre lang habe ich in der Wirtschaft gearbeitet. Davon 20 Jahre lang mit einem eigenen KMU in der Marketing- und Kommunikationsbranche. Lange Arbeitstage, Abhängigkeit vom Urteil anderer, wirtschaftlicher Druck, Verantwortung für die Mitarbeitenden, Kampf um Aufträge – drei Jahrzehnte lang habe ich in diesem System funktioniert. Beflügelt von der Karriere habe ich den Erfolg und die Anerkennung aufgesogen, den materiellen Wohlstand genossen und gerne gezeigt. So wie 'man es halt macht'. So, wie ich und andere - so meinte ich - es von mir erwarteten. Ohne mir dessen bewusst zu sein, getrieben von der permanenten Angst vor dem Versagen, habe ich mich als Mensch über all diese Dinge, die ich hatte und tat identifiziert – und mich mehr und mehr darin verloren.

Dann kam eine Phase des Hinterfragens, der Suche nach dem Sinn und der grossen Veränderungen. Ausgelöst von der Liebe zu einer wunderbaren Frau, begann die Veränderung in meinem  persönlichen Umfeld. Ich habe mich nach 26 Jahren Ehe, in der uns ein wunderbarer Sohn geschenkt wurde, von meiner damaligen Frau getrennt und bin mit meiner heutigen Lebenspartnerin zusammengekommen. Plötzlich geriet mein so gut justiertes System ins Wanken. Ich war nicht mehr in der Lage, meiner Arbeit so fokussiert und mit dem bedingungslosen Einsatz nachzugehen wie bisher. Ich realisierte, wie müde ich durch all die Jahre geworden war. Wie ein angezählter Boxer im Ring habe ich weiter gekämpft und mich am Alten festgehalten. Habe auf Biegen und Brechen versucht, mein bekanntes und vertrautes System zu erhalten. Obwohl ich tief in mir drin spürte, dass es Zeit war, ein neues Kapitel im Leben aufzuschlagen und die Sehnsucht nach Erfüllung und innerem Frieden immer stärker wurde.

Aber die Frage, was denn noch von Andreas Schärer bleibt, wenn ich all die Dinge im Aussen loslasse, löste auch Angst und Unbehagen aus. Ich hatte nie gelernt, tief in mich hinein zu fühlen und mich dem Leben anzuvertrauen. Für mich war es normal, immer einen Plan zu haben, eine Aufgabe und immer am Schaffen und am Tun zu sein. In dieser Phase der inneren Zerrissenheit kam es zu wirtschaftlichen Problemen in der Firma, was den Druck und das Leiden nochmals erhöhte. Diese Bedrohung fühlte sich für mich sehr dramatisch und existentiell an. Heute bin ich dankbar dafür – das war die Voraussetzung, dass ich den Mut für Veränderung fand. Der erste Schritt war eine viermonatige Auszeit im Sommer 2018.  Endlich war dieser permanente Druck weg und ich konnte wieder richtig durchatmen und zur Ruhe kommen. Ich spürte mich selber wieder und konnte plötzlich die Dinge klar sehen. Mir wurde bewusst, was mir wichtig ist und was nicht. Aus dieser Klarheit entschied ich, die nächsten Jahre meines Lebens etwas Neuem zu widmen. In einem neuen Rhythmus, mit neuen Werten, ohne Angst und mit Vertrauen ins Leben. Es brauchte Mut, die Dinge loszulassen, die bisher im Zentrum meines Tuns uns Schaffens standen und von denen ich meinte, sie machen mich zu einem liebenswerten Menschen: Die Firma, das Haus, das Auto, den Status...

Ich bin sehr dankbar, dass es das Leben gut mit mir meinte und ich meine Firma an zwei wunderbare Menschen weitergeben konnte, die ihr Bestes geben, um mein Unternehmen zu ihrem zu machen und ihren Weg zu gehen. Und ebenso dankbar bin ich, dass ich Seite an Seite mit einer wunderbaren Frau durchs Leben gehen darf. Dass wir uns unterstützen aber auch fordern und individuell und gemeinsam wachsen dürfen.

Heute freue ich mich beinahe jeden Tag aus tiefstem Herzen über mein Leben.